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Im Dienste der Flugsicherung

: Heerespersonalamt


Hauptmann Daniel Stachl ist Fluglotse im Military Control Center (MCC) in Wien und gibt uns Einblick in die Ausbildung, Aufgaben und Herausforderungen, die sein Job mit sich bringt:

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Hauptmann Daniel Stachl, (33) Fluglotse, Zentrale der militärischen Flugsicherung, Wien

Hauptmann Daniel Stachl, (33) Fluglotse, Zentrale der militärischen Flugsicherung,...

Herr Stachl, was sind die Aufgaben der militärischen Flugsicherung?

Dazu muss man wissen, dass der österreichische Luftraum von der zivilen und der militärischen Luftfahrt gemeinsam genutzt wird. Daher ist eine genaue Abstimmung und Koordination untereinander sehr wichtig. Zu unserer Hauptaufgabe zählt die Durchführung und Kontrolle der militärischen Flugbewegungen. Dabei achten wir darauf, dass sich Flugzeuge sowie Hubschrauber sicher im Luftraum bewegen und die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände, Flugrouten usw. einhalten.

Wie sieht das im Detail aus?

Es gibt Bereiche des Luftraums, die wir militärisch nutzen dürfen. Geplante Übungsflüge müssen bereits am Vortag bis 16:00 Uhr bei uns angemeldet werden. Dafür benutzen die diensthabenden Leiter des MCC und die Programmleiter der Flugstaffeln ein eigenes Modul des Fluginformationssystems. Alle relevanten Daten zur Darstellung und Verarbeitung werden in unser militärinternes Computersystem eingegeben und anhand dessen die Tagesplanung für den nächsten Tag durchgeführt.

Was wären solche Parameter?

Da sprechen wir von Zeitfenstern, in der Fliegersprache auch Slots genannt, die den
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Flugstaffeln zur Benutzung von Übungsfluggebieten zugewiesen werden. Diese Slots sollen Behinderungen im zivilen Luftverkehr vermeiden. Nach Beendigung der Planung erhält auch der Leiter der Austro Control GmbH einen Ausdruck über die geplanten Vorhaben am nächsten Tag.

Wie sieht der Ablauf am nächsten Tag aus?

Vor Beginn des Flugbetriebes bestätigen die Leiter der Flugstaffel und der Flugsicherungen den Tagesplan, oder nehmen Änderungen vor, die aufgrund nicht vorhersehbarer Umstände wie z.B. Wetter notwendig geworden sind. Unsere Planungsaktivitäten erstrecken sich über den ganzen Tag und umfassen Aktivierungen wie Deaktivierungen von Übungsräumen. Nach jeder Beendigung einer Mission wird der Luftraum wieder für den zivilen Luftverkehr frei gegeben.

Ist das MCC auch bei der Luftraumüberwachung involviert?

Das Mitwirken im Rahmen der Luftraumüberwachungs-Einsatzbereitschaft ist eine der Hauptaufgaben. Geht es darum die Lufthoheit der Republik Österreich zu wahren, arbeiten wir eng mit dem Kommando der Luftstreitkräfte in St. Johann im Pongau zusammen. Uns obliegt nicht nur die Führung von Militärluftfahrzeugen in den Übungsraum, sondern wir leiten auch im Ernstfall bewaffnete Flugzeuge in den Luftraum und wieder retour. Erst bei Sichtkontakt zum Flugobjekt übernimmt der Radarleitdienst (Kommando Luftstreitkräfte) und übergibt uns nach Beendigung der Mission wieder die
Durchführung des Fluges selbst. Die Führung der Alarm-Rotte (zwei Abfangjäger) vom Start weg durch den vom zivilen Luftverkehr genutzten Luftraum erfolgt durch das MCC in Koordination mit der zivilen Luftverkehrskontrolle.

Wie sieht ein Dienst aus?

Wir haben zwei Positionen zu besetzen. Einerseits den Flugverkehrsdienst des „Military Radar“, der für den Jet-Flugbetrieb und den Instrumentenflug zuständig ist. Andererseits die „Military Info“, Militärfliegerkräfte, die nach Sichtflug operieren (Flächen- und Propellerflugzeuge, Hubschrauber) und mit allen notwendigen Informationen versorgen. Unter den „Info“-Service fällt auch die Mitwirkung zur Unterstützung im Katastrophenfall. Ein Team besteht immer aus einem Executive Controller, der den Kontakt zu den Fliegern hält, und einem Plannery Controller.

Welchen Ausbildungsweg muss man einschlagen, wenn man Fluglotse werden will?

Nach der Matura beginnt eine dreijährige Ausbildung an der Militärakademie. Im Rahmen der Offiziersausbildung kann man sich einer speziellen Testung beim Heerespsychologischen Dienst für die Tauglichkeit zum Fluglotsen unterziehen. Ist man Fluglotsentauglich hat man die Berechtigung zur Fluglotsenausbildung. Bereits während der Offiziersausbildung wird Basiswissen vermittelt.

Wie geht es dann weiter?

Noch während unserer Offiziersausbildung erhalten wir das allgemeine Funkerzeugnis und erarbeiten Basiswissen in Luftfahrtrecht, Wetterkunde und im Erstellen von Flugplänen. Fähigkeiten, die Kollegen
aus der zivilen Luftfahrt bei unserer weiteren gemeinsamen Ausbildung erst erlernen müssen. Die Theorie, Simulationen und Prüfungen sind ident mit der Fluglotsenausbildung für die Austro Control. Erst wenn es zur Schulung zum „Live-Verkehr“ kommt, trennen sich unsere Ausbildungswege.

Wie viele Fluglotsen arbeiten zurzeit bei Ihnen?

In unserer Abteilung arbeiten 13 Personen inkl. leitender Funktionen. Vier Fluglotsen und ein Leiter pro Schichtbetrieb sind die Minimumbesetzung. Der Normdienst beginnt unter der Woche um 7:45 und endet um 16:30. Beim Einsatzbereitschaftsdienst, der für die Abfangjäger zuständig ist, müssen die Schirme auch am Wochenende besetzt sein. Daher gelten andere Zeitfenster, die situationsbezogen erstellt werden. Um den Flugbetrieb aufrecht erhalten zu können, sind wir ständig auf der Suche nach neuen Fluglotsen, nicht zuletzt aufgrund einer größeren Pensionierungswelle, die in den kommenden Jahren auf uns zukommt.

Danke für das Gespräch.

Hauptmann Daniel Stachl, (33) Fluglotse, Zentrale der militärischen Flugsicherung, Wien


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