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Ein Netz am Himmel

: Heerespersonalamt


Das Kommando der Luftstreitkräfte (LuSK) hat seit Anfang 2017 seinen Sitz in der Schwarzenberg Kaserne in Wals und wird von Brigadier Karl Gruber geleitet. Das Kommando mit seinen Verbänden überwacht und koordiniert sämtliche Bewegungen und Einsätze über und rund um Österreich. Gesteuert und abgestimmt werden die täglichen Aufgaben durch die Luftraumüberwachung (LRÜ) und die Luftunterstützung. Während sich die Luftunterstützung darauf konzentriert, dass die Lufttransportkapazitäten national wie international jederzeit zur Verfügung stehen, liegt der Fokus der Luftraumüberwachung in der Sicherung und Kontrolle des Luftraums. Autor: MMag. Sabine Steiner / x-technik

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In der Zentrale der Luftraumüberwachung laufen alle Informationen zusammen. Jede Bewegung über Österreich aber auch weit über den österreichischen Luftraum hinaus wird 24 Stunden, sieben Tage die Woche am Bildschirm verfolgt. (Bild: Gorup)

In der Zentrale der Luftraumüberwachung laufen alle Informationen zusammen....

Die Luftraumüberwachung (LRÜ) ist der einzige Einsatzverband im Österreichischen Bundesheer. Während sich die aktive Komponente aus den Abfangjägern und den Luftfahrzeugen wie Eurofighter, Saab 105, PC7 und Hubschraubern zusammensetzt, ist der zweite Teilbereich der Luftraumüberwachung – im internen Sprachgebrauch auch als passive Komponente bezeichnet – für den Flugfunk und die Radaranlagen verantwortlich. Wie muss man sich das im Detail vorstellen?

24 Stunden, 7 Tage die Woche

Die sich täglich und permanent im Einsatz befindlichen Soldaten der Luftraumüberwachung behalten den österreichischen Luftraum 24 Stunden, sieben Tage die Woche (24/7) durchgehend im Visier. Unterstützt durch ortsfeste sowie flexibel einsetzbare, mobile Radarstationen, die auch in den entlegensten Tälern beste Überwachung garantieren und damit das Luftlagebild verdichten, entgeht den Verantwortlichen in der „Einsatzzentrale Basisraum“ keine Flugbewegung – die zivile Luftfahrt inbegriffen.

Jede Bewegung über Österreich aber auch weit über den österreichischen Luftraum hinaus wird verfolgt, die Daten von Spezialisten des Radarbeobachtungsdienstes ausgewertet und die Unversehrtheit des österreichischen Luftraums überwacht. Erkennt ein Radarbeobachter eine Unregelmäßigkeit bzw. entsteht eine unklare Situation, wird innerhalb kürzester Zeit der diensthabende Offizier in Salzburg informiert und eine Kette an Aktivitäten in Gang gesetzt.

„Sollte sich herausstellen, dass sich ein Flugzeug unkontrolliert im österreichischen Luftraum bewegt, wird neben der Information an den Bundesminister die aktive Komponente aktiviert. Das
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Täglich finden tausende Flugbewegungen über Österreich statt. Kreidfeuer, sogenannte Echtzeit-Luftbilder, zeigen den aktuellen Zustand des stark frequentierten Luftraums – eine wahre Herausforderung.

Täglich finden tausende Flugbewegungen über Österreich statt. Kreidfeuer,...

bedeutet, dass die in Hörsching bei Linz oder in Zeltweg stationierten Jets innerhalb kürzester Zeit starten. Geht der Alarm los, laufen die jederzeit einsatzbereiten und vollständig adjustierten Piloten zu ihren Maschinen und haben in weniger als zehn Minuten das fremde Flugzeug im Visier“, erklärt Oberleutnant Mag. (FH) Moritz Galsterer, Pressesprecher der Luftstreitkräfte und selbst ausgebildeter Radarleitoffizier, die Einsatzkette.

Aber wem aus der Zivilbevölkerung ist ein solcher Einsatz bereits einmal aufgefallen? Wahrscheinlich niemandem, aber trotzdem kommt es zu rund 60 Einsätzen pro Jahr, in denen der österreichische Luftraum verletzt wurde. Glücklicherweise handelt es sich meistens nur um falsch eingestellte Frequenzen am Funkgerät. Am Boden kann man aber nicht feststellen, warum sich das Flugzeug nicht meldet. Darum steigen z.B. Eurofighter, die Speerspitze der österreichischen Luftraumüberwachung, zur Aufklärung auf. Aber wie läuft so eine Operation ab und was haben Radarleitoffiziere dabei für eine Funktion?

Luftraumüberwachung ist Teamarbeit

Moritz Galsterer beschreibt ein mögliches Einsatzszenario: „Gehen wir davon aus, dass zwei Eurofighter in Zeltweg alarmiert wurden. Dazu muss man sich vorstellen, dass der Luftraum über Österreich stark frequentiert ist und täglich tausende von Flugbewegungen stattfinden. Einsatzflugzeuge haben, wie Einsatzfahrzeuge im Straßenverkehr, Vorrang. Dazu wird vom Military Control Center (MCC) in Wien ein Korridor, vergleichbar der Rettungsgasse am Boden, frei gemacht und die Militärflugzeuge im Einsatz durchgeleitet. Ist der Korridor von der Militärischen Flugverkehrskontrollzentrale
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Die Einsatzflugzeuge fliegen so nahe an das Zielobjekt heran, dass die Piloten Blickkotakt aufnehmen und persönlich sehen können, wie sich die Situation an Bord darstellt. (Bild: BMLVS Zinner)

Die Einsatzflugzeuge fliegen so nahe an das Zielobjekt heran, dass die Piloten...

frei gegeben, übernimmt der die gesamte Operation bereits am Bildschirm beobachtende Radarleitoffizier den Funkkontakt zu den Einsatzpiloten und leitet diese anhand präziser Anweisungen zum Ziel.“

Das Flugobjekt wird dann in der Luft identifiziert, abgedrängt oder gegebenenfalls abgefangen. Solche Missionen erfordern eine sehr enge Zusammenarbeit und absolutes Vertrauen zwischen Piloten und Radarleitoffizieren. Der dichte zivile Luftverkehr und die gebirgige Landschaft Österreichs sind eine wahre Herausforderung für alle Beteiligten. Anhand von mathematischen Berechnungen werden die Einsatzpiloten mittels präziser Anweisungen über Geschwindigkeit, Höhe, die zu fliegenden Manöver etc. zum Ziel geleitet bis Augenkontakt mit dem Zielobjekt besteht. Erst ab diesem Zeitpunkt übernimmt der Pilot die Verantwortung für den weiteren Verlauf.

Pilot als Auge des Radarleitoffiziers

Für Laien beinahe unvorstellbar, fliegen die Jets so nahe an das Zielobjekt heran, dass die Piloten Blickkontakt aufnehmen können. Details wie z.B. das Verhalten der Passagiere an Bord, sind die Vorhänge zugezogen oder die nonverbale Kommunikation mit den Piloten wird zur Bodenstation gefunkt, sodass sich der Radarleitoffizier jederzeit ein Bild über die Situation in der Luft machen kann. In der Fachsprache als ‚eyes on target‘ bezeichnet, ist der Pilot, im übertragenen Sinn, das Auge des Radarleitoffiziers. Dieser gibt Anweisungen wie: "begleite das Flugzeug“, „fotografiere“ es oder „in einigen Minuten ist die Staatsgrenze erreicht“
und wir müssen den Auftrag abbrechen. Durch ständigen Funkkontakt werden Informationen ausgetauscht, aber auch mögliche beteiligte Nachbarländer informiert.

Aufgabenspektrum

Neben den rund 40 bis 60 Einsätzen im Jahr sind beinahe täglich mehrere Übungsmissionen mit den unterschiedlichsten Fluggeräten geplant, sofern es das Wetter und die Gegebenheiten zulassen. Luftraumsicherungsoperationen bei Staatsbesuchen, Europameisterschaften, bei internationalen Wirtschaftsforen wie zum Beispiel im angrenzenden schweizerischen Davos etc. und der Einsatz bei Pilotenschulungen runden das Aufgabenspektrum ab. Aber wie wird man Radarleitoffizier? Ist jedermann dafür geeignet? Fragen wie diese beantwortet Moritz Galsterer im folgenden Interview.

In der Zentrale der Luftraumüberwachung laufen alle Informationen zusammen. Jede Bewegung über Österreich aber auch weit über den österreichischen Luftraum hinaus wird 24 Stunden, sieben Tage die Woche am Bildschirm verfolgt. (Bild: Gorup)
Täglich finden tausende Flugbewegungen über Österreich statt. Kreidfeuer, sogenannte Echtzeit-Luftbilder, zeigen den aktuellen Zustand des stark frequentierten Luftraums – eine wahre Herausforderung.
Die Einsatzflugzeuge fliegen so nahe an das Zielobjekt heran, dass die Piloten Blickkotakt aufnehmen und persönlich sehen können, wie sich die Situation an Bord darstellt. (Bild: BMLVS Zinner)
Entsteht eine unklare Situation, wird innerhalb kürzester Zeit Alarm ausgelöst und zwei der in Hörsching oder Zeltweg stationierten Jets starten. In weniger als zehn Minuten haben sie das fremde Flugzeug im Visier.
Das Rückgrat der Luftraumüberwachung bilden die ortsfesten Radarstationen. Mobile Radarstationen ergänzen den Schutzschirm.
Die in Hörsching bei Linz oder in Zeltweg stationierten Jets sind jederzeit einsatzbereit. (Bild: BMLVS Zinner)



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Im Gespräch

/xtredimg/2017/Wanted/Ausgabe184/13115/web/DSC_6055.jpgBerufswunsch: Radarleitoffizier
Nachdem uns Herr Oberleutnant Mag. (FH) Moritz Galsterer einen Einblick in den Arbeitsalltag der Luftraumüberwachung gegeben hat, wollen wir mehr über die Voraussetzungen, zur Ausbildung und den damit verbundenen Herausforderungen wissen:
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